Mit Heidi auf der Folzhöhe

„Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen, 
denn das Glück ist immer da.“

Die Worte, die Goethe vor über 200 Jahren schrieb, haben bis heute nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil. Deshalb ist für Heidi Stalder rasch klar, wohin der Brätliausflug gehen soll: auf die Folzhöhe. Der Aussichtspunkt liegt oberhalb von Trubschachen, dem Dorf, in dem Heidi aufgewachsen ist, in dem sie auch heute lebt und arbeitet.

Für die Anreise gibt es zwei Möglichkeiten – eine mehr und eine weniger anstrengende. Die Bequemen fahren mit dem Auto zur Bäregghöhe, parkieren dort und haben zu Fuss nur noch 70 Höhenmeter hinauf zur Brätlistelle. Die Sportlichen wandern von Trubschachen auf die Folzhöhe (250 Höhenmeter, 45 Gehminuten). Heidi gehört definitiv zur sportlichen Fraktion: Sie nimmt diesen Weg regelmässig unter die Füsse, manchmal alleine, manchmal mit der Schwester oder der Cousine. Auch Robert, ihr Partner, ist schon mitgekommen. Doch zu ihm später.

Auf der Folzhöhe warten nicht nur ein Tisch mit Bänken und Grill, sondern auch verschiedene Posten des Vitaparcours. Besonders gut gefällt Heidi der Posten mit den Holzbalken für die Liegestützen. „Es ist einfach wunderbar, nach den Wiederholungen noch einen Moment dazusitzen und die Aussicht zu geniessen“, sagt sie.

Ja, diese Aussicht! Die Emmentaler Höger zeigen sich von hier aus gesehen von ihrer schönsten Seite, der Blapbach und der Stärenberg zum Beispiel, dahinter erblickt man die Sieben Hengste. „Viele Menschen kennen Trubschachen vom Durchfahren, sie wissen, dass hier die Kambly-Güetzi entstehen und die Jakob-Drahtseile“, sinniert Heidi. „Aber das es bei uns auch so schöne Aussichtspunkte gibt, ist wohl vielen nicht bewusst.“

Der schöne Abend lädt geradezu ein, um das Feuer zu sitzen und beim Apéro über Gott und die Welt zu philosophieren. Und über Heimat. Wie ihre Eltern und ihre beiden Schwestern fühle auch sie sich sehr mit dem Emmental verbunden, sagt Heidi. Vor 20 Jahren hat sie in der Gemeindeschreiberei Trubschachen ihre Lehre begonnen, seit 8 Jahren arbeitet sie hier als Gemeindeschreiberin. Das Bedürfnis, die Zelte abzubrechen und an einem anderen Ort etwas anderes anzufangen, habe sie bisher nie gehabt.

Auf dem Holztisch sind mittlerweile Früchte und Beilagen ausgebreitet. Das sieht lecker aus – und zieht auch massenhaft Wespen an. Prompt gibt es beim kleinsten Mitglied der Brätligruppe einen Stich zu kühlen. Danach sind das Fleisch und das Gemüse auf dem Grill fertig. Zum Essen wird getrunken, gelacht, aber auch über ernste Themen gesprochen.

Ach ja, am Anfang haben wir Heidis Partner Robert erwähnt. Die beiden kennen sich seit ein paar Monaten und haben rasch gespürt, dass es zwischen ihnen passt. Als es schon fast dunkel ist, schaut Robert ebenfalls auf der Folzhöhe vorbei. Er setzt sich neben Heidi ans Feuer und, das sieht man ihm an, geniesst die Lagerfeuerromantik. Auf dem Rost über dem Feuer steht das Kaffeekännchen, das ebenso zu einem Brätliabenteuer gehört wie Bratwürste und tiefgründige Gespräche. 

Auf der Wiese neben der Brätlistelle hat eine andere Familie mittlerweile ihre Zelte aufgeschlagen. Die Eltern mit ihren beiden Kindern wollen hier übernachten. Und für uns ist es höchste Zeit, den Rückweg in Angriff zu nehmen. Im Licht der Stirn- und Taschenlampen geht es durch den dunklen Wald hinunter. Zurück zum Parkplatz, zurück ins Dorf.

Ausstattung
Die Brätlistelle besteht aus einem massiven Holztisch und diversen Bänken mit Aussicht auf die Emmentaler Höger. Es hat einen runden Grill mit höhenverstellbarem Rost. Für einen Unterstand voller Brennholz ist ebenfalls gesorgt. Unterhalten wird die Brätlistelle vom Turnverein Trubschachen.

Lage
Am Waldrand, 984 Meter über Meer.

Anreise
Zu Fuss: Am Kreuzungspunkt der Wanderwege von und nach Trubschachen, Bäregghöhe und Napf.
Mit dem ÖV: Bahnhof Trubschachen, gut 45 Gehminuten bergauf.
Mit dem Auto: Vitaparcours-Parkplatz auf der Bäregghöhe, 15 Minuten dem Wanderweg folgen (Weg geht steil bergauf und ist nicht kinderwagentauglich).