Mit Husch auf dem Bodenmünzi

„Ein wandelndes Lexikon.“ Wenn diese Bezeichnung auf jemanden zutrifft, dann auf Hans Ulrich Schaad, genannt „Husch“. Wie hoch ist der Schallenberg? In welcher Playoutserie schoss Tobias Bucher das entscheidende Tor für die SCL Tigers? An welchem Tag fand die Schlacht bei Murten statt? Husch nennt dir die Antworten aus dem Stegreif: 1168 Meter (Höhe des Schallenbergs), Playoutserie 2016 gegen Biel (Buchers Tor) und 22. Juni 1476 (Schlacht bei Murten).

Die Schlacht spielt bei unserem Brätliausflug eine zentrale Rolle. Husch führt uns nämlich an jenen Ort, an dem sie stattgefunden hat: auf das Bodenmünzi südlich von Murten. Hier bietet sich eine wunderbare Aussicht auf das Städtchen, den Murtensee und die Jurakette. Er liebe diese Aussicht, erzählt Husch beim Apéro. Und er liebe die vielen Facetten, die Murten biete: geschichtsträchtige Orte, schöne Naherholungsgebiete, gute Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, eine optimale Verkehrserschliessung und, und, und. Deshalb kann sich der gebürtige Oberbipper keinen besseren Wohnort vorstellen als Murten.

So, nun ist es aber Zeit anzufeuern. Gemeinsam sammeln und zerkleinern wir Brennholz, dann holt Husch ein Stück Zeitung und eine Lupe hervor. „1476 hat es schliesslich noch keine Feuerzeuge gegeben“, sagt er und bündelt die Sonnenstrahlen mit der Lupe auf der Zeitung. Bald steigt ein Räuchlein auf, Sekunden später brennt das Feuer. Die Kinder sind fasziniert. Und kündigen an, fortan immer eine Lupe zum Bräteln mitnehmen zu wollen.

Während in der Feuerstelle das Holz nach und nach zu Glut wird, erklärt uns Husch, warum die Schlacht bei Murten eine der wichtigeren in Europa war. Burgunderherzog Karl der Kühne wollte sich – etwas salopp gesagt – so ziemlich alles von der Nordsee bis zum Mittelmeer unter den Nagel reissen. Hätten die Eidgenossen und die zugewandten Orte 1476 die Schlacht bei Murten verloren, wer weiss, wie weit es Karl der Kühne noch gebracht hätte. Europa und die Schweiz würden heute wohl ganz anders aussehen.

„Kennt ihr den Spruch über Karl den Kühnen?“, fragt Husch, der als Journalist bei der Berner Zeitung arbeitet. Ja, der Spruch ist etwas vom wenigen, was aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung geblieben ist: „In Grandson verlor er das Gut, in Murten den Mut und in Nancy das Blut.“

Dann wird gegessen.

Mindestens dreimal pro Jahr werden Husch und die übrigen Murtnerinnen und Murtner an die Schlacht erinnert. Erstens findet jeweils am 22. Juni die Solennität statt, das Schulfest, bei dem die Kinder in Weiss durch das Städtchen ziehen. Zweitens wird mit dem Murtenlauf dem Boten gedacht, der 1476 von Murten nach Freiburg lief, um den Sieg der Eidgenossen zu verkünden. Und drittens treffen sich auf dem Bodenmünzi die Schützen Jahr für Jahr zum historischen Murtenschiessen.

Husch wäre nicht Husch, wenn er nicht auch zu diesem Anlass eine Geschichte auf Lager hätte. „Wisst ihr, warum Lippenstift ein wichtiges Utensil beim Murtenschiessen ist?“ Keine Ahnung! Die Antwort: Beim Murtenschiessen zielen immer zwei Personen auf eine Scheibe. Die eine Person markiert ihre Patronen vorne mit Lippenstift, sodass auf der Zielscheibe auf den ersten Blick ersichtlich ist, welches Einschussloch von welchem Schützen stammt.

Das Murtenschiessen findet übrigens in zwei Kantonen statt: Geschossen wird auf Berner Boden, die Feldpredigt und die Besammlung sind auf Freiburger Territorium. Das Bodenmünzi bildet nämlich auch die Kantonsgrenze, der Grenzstein ist noch heute zu sehen.

Bevor es zurück nach Hause geht, warten noch das Dessert und eine Runde Quartettspiel mit Husch. Im Autoquartett gehts um Faktoren wie PS, Hubraum und Höchstgeschwindigkeit. Entscheidend ist nicht das Allgemeinwissen, sondern das Glück und das Auswendigkennen der Karten. Deshalb ist das Spiel ziemlich ausgeglichen – und am Schluss hat tatsächlich der Kleinste den grössten Kartenstapel.

Ausstattung
Es hat zwei Feuerstellen; eine oben auf der Anhöhe, eine etwas weiter unten. Bei beiden steht ein grosser Holztisch, oben hat es zudem einen Pavillon sowie den Stein, der die Kantonsgrenze zwischen Freiburg und Bern markiert.

Lage
Auf einer Anhöhe oberhalb von Murten.

Anreise
Mit dem ÖV: 10 Gehminuten von der Bushaltestelle „Murten Neugut“ (Bus fährt wochentags 5-mal pro Tag), gut 20 Gehminuten vom Bahnhof Münchenwiler-Courgevaux und gut 30 Gehminuten vom Bahnhof Murten.
Mit dem Auto: Parkplatz bei den Sportanlagen, Wilerweg 41, Murten.
Zu Fuss: In der Nähe des Trans Swiss Trails, Etappe Murten-Laupen.